Erfahrungsbericht zum Studium der Politikwissenschaften

von Nadine R., 6. Semester TU Dresden

Wie ist das Politikstudium aufgebaut?

Die Regelstudienzeit des Bachelor Politikstudiums beträgt 6 Semester. Davon sind die ersten drei Semester als eine Art „Grundstudium“ konzipiert, wo man verschiedene Basismodule absolvieren muss.

In Dresden (und womöglich auch sonst überall) sind das Politische Systeme, Internationale Beziehungen und Politische Theorie. Alle Module beinhalten Vorlesungen (incl. Klausur) und Proseminare (incl. Hausarbeiten, Referate, Strategiepapiere, Essays, Diskutantenbeiträge,…). Alle Leistungen werden benotet und gehen in einem bestimmten Verhältnis in die Endnote ein. Also: Anstrengen ist von der ersten Minute angesagt!

Neben den Basismodulen gibt es in den ersten Semestern Veranstaltungen zu Methoden empirischer Sozialforschung, Volkswirtschaftslehre und Staatsrecht. Insbesondere die Statistikausbildung hat vielen Studenten, die nix mehr mit Mathe zu tun haben wollten, wortwörtlich das Genick gebrochen. Durchfallquote 75%. Ich persönlich fand das super easy – aber ich mag tendenziell ja auch Mathe und logisches Denken.

Hat man bis dahin durchgehalten, kommt ab dem 4.Semester das „Hauptstudium“, wo man sich gemäß den drei Basismodulen auf 2 davon spezialisieren kann und das 3. nur als „Kleines Modul“ macht. Auch in diesen „Großen Modulen“ zählt jede Note – egal ob Factsheet oder 90-Minuten-Klausur. Nachschreiben ist nicht… auch nicht wenn man in einer Teilleistung ne 5,0 hat und diese mit einer anderen Teilleistung ausgleichen kann. Es ist wirklich wichtig, dass man das PoWiStudium NIEMALS schleifen lässt.

Parallel zu dem Ganzen gibt’s natürlich noch ne Menge Seminare nebenbei, den AQUA-Bereich und den Ergänzungsbereich (wird je nach Uni aus einer Auswahl gewählt – bei mir ist es Kommunikationswissenschaft).

Schließlich gibt’s im 6.Semester den Spaß eine etwas längere Hausarbeit (40 Seiten) zu schreiben. Bis zu diesem Punkt hat man bereits mindestens 20 Stück davon angefertigt – also ist man geübtJ. Diese Bachelorarbeit geht nicht besonders hochwertig in die Endnote ein, ist also im Vergleich zu einem Diplom oder Magister „relativ“ nebensächlich.

Ist ein Bachelorstudium wirklich so verschult?

Nein. Entgegen vieler Behauptungen und der Empörung der meisten Diplomer sind die Unterschiede zwischen „altem“ und „neuem“ Studium gering.

Natürlich muss man bestimmte Vorlesungen und Seminare belegen – ob man will oder nicht – doch sind wir doch mal ehrlich: in einem Diplom-/Magister-/Lehramtsstudium ist das genauso.

Auch die oft geschimpfte Aussage: „Man könne sich nicht mehr spezialisieren“ ist falsch. Eine Kommilitonin von mir möchte nach dem Studium in die Verteidigungspolitik und hat ihr ganzes Studium bereits auf dieses Ziel abgestimmt: Hausarbeiten zum Thema, Praktikum im entsprechenden Bundesministerium, (Zusatz-)Seminare, Referate, ein Auslandssemester in Israel u.s.w.

Muss man fürs Politikstudium viel lernen?

Man muss für jedes Studium viel lernen, damit man es erfolgreich abschließt. Dies ist bei Politikwissenschaft natürlich nicht anders. Gerade in den ersten Semestern muss man auch viel auswendig lernen und sein Faktenwissen in Klausuren aus dem Kopf „downloaden“. Die Fragen der Klausuren sind allerdings (fast) immer so gestellt, dass man Zusammenhänge herleiten muss. Pures Auswendiglernen verhilft einem womöglich zur 4,0, doch eine bessere Note schafft man nur durch reichlich Nachdenken und viel Kombinationsgabe. Der Vorteil (oder auch Nachteil – wer weiß!?) des Bachelorstudiums ist, dass man am Ende nicht nochmals alle Hefter hervorkamen muss. Jede Note ist eine Prüfungsnote – also immens wichtig.

Welche Art „Mensch“ sollte ich sein?

  • kommunikativ, wegen unzähligern Referate und Seminare (Diskussionen!)
  • teamfähig und kontaktfreudig, sonst gibt später keinen Job
  • engagiert
  • kritisch (zu sich, der Uni, der Welt – einfach zu allem ;) )
  • vielseitig und über die Politik hinaus interessiert
  • der deutschen Sprache mächtig (wichtig: gute Schreibe incl. Formulierungsgabe, sehr guter Rechtschreibung und Ausdruck)
  • der englischen Sprache mächtig, da die meiste Lektüre auf Englisch ist
  • ehrgeizig und selbstdiszipliniert, da der Bachelor ständiges Lernen erfordert
  • mehrmals pro Woche SZ oder FAZ lesend
  • internetversiert, da ohne das nix mehr geht

Ist es möglich während des Studiums zu arbeiten?

Vielleicht. Auf Bachelor zu studieren bedeutet durchweg mehr Lernen. Wer dennoch Zeit zum Arbeiten findet, der sollte nebenbei für eine Partei, im Landtag/Stadtrat oder als studentische Hilfskraft in den Politikinstituten arbeiten. Das bringt zwar kein Geld, aber eine gute Reputation. Es schadet zudem nicht im Lebenslauf.

Wie sind die Jobchancen?

Mittel. Auf Grund der vielen Geisteswissenschaftler hat man nicht die besten Berufsaussichten wie etwa Ingenieure. Wie überall kommt es aber immer auf die jeweiligen Leistungen des Studenten, Praktikumsnachweise und zivilgesellschaftliches Engagement an.

Wobei gesagt werden muss, dass man als PoWi definitiv bessere Jobaussichten hat als als Soziologe, Germanist, Philosoph oder Geschichtswissenschaftler. Politik gab es, gibt es und wird es immer geben. Politik ist immer und überall und beschäftigt die Menschen in allen Lebenslagen. Egal ob Behörde, Medien oder freie Wirtschaft – als PoWi kann man überall seinen Platz finden.

Bracht man einen Master?

Vielleicht. Auf der einen Seite ist der Master in vielen Branchen unabdingbar – gerade wenn in den Personalabteilungen Diplomer sitzen, die eher abschätzig auf die Bachelor-Absolventen gucken. Auf der anderen Seite reicht der Bachelor oftmals, aber nur wenn man VIELE Praktika vorzuweisen und eine Persönlichkeit hat, die die Chefs umhautJ. Um ein Volontariat im Medienbereich anzuschließen reicht der Bachelor auch… aber: Praktika, Praktika, Praktika!!!

Was kann ich verdienen?

Je nachdem in welcher Branche man einsteigt, divergiert auch das mögliche Gehalt. Finanziell gesehen ist es am Besten, wenn man in die Privatwirtschaft geht und z.B. im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bzw. der externen Kommunikation unterkommt. Dort kann man (ich berufe mich auf die subjektiven Erfahrungen von Absolventen) nach einigen Jahren gut und gerne über 5.000€ Netto pro Monat verdienen.

Um Journalist zu werden, muss man an seinen Bachelor unbedingt ein Volontariat anschließen und vorher unzählige Praktika machen. Rundfunk ist hier besser als Presse. Öffentlich-rechtlich besser als privat.

Viele PoWis kommen in öffentlichen Behörden, Ämtern und Ministerien unter, teilweise auch als persönliche Referenten von Bundestags- oder Landtagsabgeordneten. Der Lebensunterhalt lässt sich mit so einem Job bequem bestreiten. Noch lukrativer sind Internationale Institutionen – da kommt man nur leider viel zu schwer ran.

Am finanziell ungünstigsten sind Lehre und Forschung an Universitäten oder anderen wissenschaftlichen Einrichtungen. Hier kann man sich zwar stetig geistig erweitern und möglicherweise auch die Welt und die universitäre Lehre verändern/verbessern, doch die Bezahlung ist mies und Aufstiegschancen rar.







Hochschulverzeichnis

Hochschulverzeichnis

Verzeichnis der Studiengänge

Verzeichnis der Studiengänge

Just-Study Magazin

Magazin just-study.com

Bildungsnews

Trotz mäßigen Abi zum Medizinstudium

Der Traum Arzt zu werden erfüllt sich nur für wenige. Wer momentan einen Studienplatz in Medizin bekommen will, braucht beim Abiturzeugnis eine Eins vorm Komma.

Neue Studiengänge

Wer in einer Pflegeeinrichtung eine hervorgehobene Position anstrebt, kann sich nun in Nürnberg mit einem neuen Bachelor darauf vorbereiten. Dortmund bietet einen Master für angehende Wirtschaftspsychologen an. Weitere neue Studiengänge stellen wir nachfolgend vor.

Zahl der dualen Studiengänge steigt

Die Zahl der dualen Studiengänge steigt stetig. Studium und Ausbildung werden häufig kombiniert und die Berufsaussichten der Absolventen sind gut.

Deine Zukunft

Teste dich und lerne mehr über dein Leben nach dem ABI | just-study.com