Erfahrungsbericht zum Studiengang Energie- und Verfahrenstechnik

von Tim S., TU Berlin
Was ist Energie- und Verfahrenstechnik?
Energie und Stoff sind die zentralen Themen des Studiengangs, wobei es hauptsächlich um die Umwandlung und den Transport derer geht. Wie wird zum Beispiel Strom bereit gestellt? Einige Möglichkeiten fallen sicherlich jedem ein…durch Kernspaltung in Kernkraftwerken, Verbrennung von Kohle in Kohlekraftwerken oder Solarenergie. Die Energietechnik befasst sich unter anderem damit, diese Energieumwandlungsprozesse zu entwickeln und zu verbessern. Die Verfahrenstechnik hingegen zielt eher darauf ab, chemische und biologische Prozesse zu realisieren und zu optimieren. Will man zum Beispiel aus Salzwasser Trinkwasser machen benötigt man ein geeignetes Verfahren, um das Wasser vom Salz zu trennen. Hier findet die vielen bekannte Destillation ihre Anwendung.
Wie gliedert sich das Studium?
Energie- und Verfahrenstechnik ist ein klassischer Diplomstudiengang, welcher sich in Grund- und Hauptstudium teilt. Das Grundstudium umfasst vier Semester und wird mit dem Vordiplom abgeschlossen. Es werden viele Grundlagen in den Bereichen Mathematik und Physik vermittelt, um die sich das ganze Studium dreht. Es gibt aber auch einige nicht naturwissenschaftliche Fächer wie Computerkurse oder eine freie Wahl, bei der sich der Student „Wunschkurse” wählen kann.
Die meisten Module (Fächer/Kurse) werden mit einer Klausur abgeschlossen, es gibt aber auch mündliche Prüfungen und Präsentationen. Innerhalb des Grundstudiums muss neben den Modulen ein 13-wöchiges Praktikum absolviert werden. Dieses zielt darauf ab, praktische Erfahrungen im Bereich Handwerk zu erlangen. Dieses Praktikum muss vom Studierenden selbst organisiert werden und kann beispielsweise in einer Schlosserei abgeleistet werden.
Für das Hauptstudium sind sechs Semester angesetzt. Es gibt drei Wege die zur Auswahl stehen. Man kann Energietechnik, Verfahrenstechnik oder auch beides zusammen weiter studieren. Im Hauptstudium erlangt und vertieft man sein Wissen über Maschinen, Prozesse und wissenschaftliches Arbeiten. Auch hier muss wieder ein 13-wöchiges Praktikum, diesmal aber in einem Industriebetrieb, abgehalten werden. Des Weiteren schreibt der Student erst eine Studien- und zum Studienschluss eine Diplomarbeit. Wird letztere erfolgreich bestanden, erhält man den Titel Diplomingenieur (Dipl.Ing.).
Tipps und Tricks
Da dieser Studiengang sehr mathe- und physiklastig ist, sollten schon sehr gute Grundkenntnisse vorhanden sein. Hilfreich ist es im Abitur diese Fächer als Leistungskurse zu wählen.
Wer die Möglichkeit hat, sollte zumindest einen Teil des Grundpraktikums vor Beginn des Studium ableisten, da in den Semesterferien oft nur wenig Zeit für ein Praktikum bleibt. Außerdem darf man auf keinen Fall den enormen Zeitaufwand für die Klausurvorbereitung unterschätzen. Hat der eine oder andere vielleicht 3-7 Tage (5 Stunden pro Tag) für eine Abiklausur gelernt, so reicht dies bei den meisten Modulprüfungen nicht mal zum Bestehen aus! Sicherlich hat jeder ein anderes Lerntempo, aber man sollte lieber großzügiger, als zu geizigt mit der Zeitplanung für das Lernen umgehen. Da in diesem Studiengang viel gerechnet wird, sollte man sich Altklausuren von den Vorjahren besorgen und durchrechnen. Dies eignet sich als Klausurvorbereitung sehr gut, weil man einerseits ein Muster in der Art der Aufgaben erkennt und andererseits ein Zeitgefühl bekommt.
Wie in jedem Studium ist es hilfreich, schnellstmöglichst Kontakte mit anderen Studenten zu knüpfen, um an wichtige Informationen (Kurseinschreibung, Prüfungsanmeldung, usw.) zu gelangen.
Wie sehen die Berufs- und Verdienstmöglichkeiten aus?
Das Berufsfeld ist für Energie- und Verfahrenstechnikingenieure sehr groß. In der Industrie kann man an der Entwicklung und Verbessern von Apparaten, Prozessen und technischen Verfahren mitwirken. Es werden Kraftwerke ausgelegt, Kolonnen (Destillationsanlagen) entworfen oder neue Katalysatoren für Autos erprobt. Wie in vielen anderen Studiengängen kann einen der berufliche Weg auch in die Forschung und Lehre führen. Hier arbeitet man als Professor an der Universität. Es werden sowohl Vorlesungen abgehalten, als auch eigene Forschungsprojekte entwickelt. Wer eher auf Kontrolle steht kann auch in staatlichen Behörden arbeiten. Hauptaufgabe ist das Überprüfen und Genehmigen von komplexen Anlagen, wie z.B. Kraftwerken.
Zur Zeit (2009) werden in Deutschland über 30.000 Ingenieure gesucht. So ist es nicht verwunderlich, dass 95% der Absolventen im ersten halben Jahr nach Studienabschluss einen Job bekommen. Je nach dem in welcher Branche man tätig wird, fallen die Gehälter aus. Es ist also schwer ein konkretes Einstiegsgehalt zu beziffern, aber grob wird es bei ca. 3000-4000€ brutto monatlich liegen. Gehaltssteigerungen sind teilweise enorm hoch, da ältere Ingenieure viel Berufserfahrung mitbringen, welche besonders in der freien Wirtschaft sehr gefragt sind.
Tags: Studium, Verfahrenstechnik


