Erfahrungsbericht zum Medizinstudium

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Medizinstudentin Charité-Universitätsmedizin Berlin
4. klinisches Semester

Welche Vorraussetzungen werden benötigt?

Als Grundlage für einen Zugang zum Studium der Humanmedizin benötigt man natürlich das Abitur. Bevor Mann/Frau endlich studieren kann, müssen leider noch einige Hürden überwunden werden.

In Deutschland gibt es eine Zulassungsbeschränkung (Numerus clausus) zum Medizinstudium, da es jedes Semester deutlich mehr Bewerber gibt als die Hochschulen aufnehmen können. Heute wird ein Fünftel der verfügbaren Plätze von der ZVS (Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen) nach der Abi-Durchschnittsnote vergeben. Leider liegt der NC momentan bei 1,2-1,3, dass bedeutet, man muss schon zu den Jahrgangsbesten zählen, um seinen Traumstudienplatz in der Tasche zu haben. Falls ihr nicht zur „Streberfraktion” gehört gibt es doch noch einen Lichtblick. Ungefähr 60 % der Plätze dürfen die Hochschulen selbst vergeben.

Die Berliner Charité berechnet beispielsweise aus der Abinote und Einzelergebnissen in den naturwissenschaftlichen Fächern einen Punktwert. Ab einem gewissen Wert wird man zu Auswahlgesprächen eigeladen, jedoch werden dreimal mehr Bewerber eingeladen als Plätze vorhanden sind. Überschreitet der Punktwert ein gewisses Niveau wird man direkt und ohne Gespräch zugelassen.

Ich hatte bei meinem Studienbeginn vor einigen Jahren mit einem NC von 1,6 noch richtiges Glück, denn ich bekam direkt über die ZVS meinen Platz zugesichert.

Wie ist das Studium aufgebaut?

Die Regelstudienzeit beträgt 12 Semester, wobei dies in der Realität eigentlich nicht zu bewältigen ist.

Fast jeder Studierende benötigt mehr Zeit, da zum Beispiel Krankheit oder ein Freisemester zur Examensvorbereitung dazwischen kommen. Richtet Euch lieber auf 7 Jahre Studienzeit ein, dann seit Ihr auf der sicheren Seite.

Das Studium der Humanmedizin gliedert sich in zwei Abschnitte, die Vorklinik und die Klinik.

Die Vorklinik umfasst die ersten vier Semester, an dessen Ende der erste Abschnitt der ärztlichen Prüfung steht, das Physikum. In diesem Ausbildungsabschnitt werden die natur- und sozialwissenschaflichen Grundlagen der Medizin vermittelt. Es müssen 14 Veranstaltungen mit Erfolg und genügender Anwesenheit besucht werden und die entsprechenden Klausuren bestanden werden. Bis zum Physikum müsst Ihr in folgenden Fächern fit sein: Anatomie, Biochemie, Physiologie, Medizinische Soziologie/Psychologie, Physik, Chemie und Biologie. Unterhält man sich mit Ärzten werdet Ihr einstimmig hören, dass alle die Vorklinik als den schlimmsten Teil des Studiums ansehen. Ihr habt kaum Freizeit, müsst Euer Gehirn zum „Dauerlernen” trimmen und fragt Euch, wozu ihr den Pentosephosphatweg (Biochemie!!!) in allen Einzelheiten können müsst, um später Patienten zu behandeln. Zu allem Übel müsst Ihr Euch in den Semesterferien noch einem dreimonatigen Krankenpflegepraktikum unterziehen, dessen Lerneffekt mehr als umstritten ist. So durfte ich zum Beispiel je nach Laune der Stationsschwester die Blumenvasen schrubben oder Kaffee für die ganze Station kochen. Doch auch diese Zeit geht vorbei!! Hat man endlich das Physikum in der Tasche kann man stolz und mit erhobenem Haupt in den klinischen Teil des Studiums treten. Die Klinik dauert sechs Semester. Hier werdet Ihr mit allen wichtigen Fachgebieten der Medizin vertraut gemacht. Wie der Name schon erahnen lässt, findet der Studentenunterricht im Krankenhaus und überwiegend am Patienten statt. Es gibt die so genannten UaK’s (Unterricht am Krankenbett), bei denen jeweils sechs Studenten von einem Arzt unmittelbar am Patienten unterrichtet werden. Ihr werdet nun als „Kollegen” auf Station vorgestellt und viel respektvoller behandelt als in der Vorklinik.

Während des klinischen Studienabschnittes sind in der unterrichtsfreien Zeit insgesamt vier Monate Famulatur abzuleisten. Ziel ist es, die Studierenden mit der ärztlichen Patientenversorgung vertraut zu machen.

Das sechste und letzte Jahr des Medizinstudiums wird als PJ (Praktisches Jahr) bezeichnet. Es gliedert sich in drei Ausbildungsabschnitte von je 16 Wochen:

1. in Innerer Medizin

2. in Chirurgie

3. in der Allgemeinmedizin oder in einem der übrigen klinischpraktischen

Fachgebiete.

Nach dem PJ wird das Studium der Humanmedizin mit dem zweiten Staatsexamen (in Medizinerkreisen auch Hammerexamen genannt) abgeschlossen.

3. Ist es möglich während des Studiums zu arbeiten?

In der Vorklinik ist es eigentlich nicht machbar nebenher seinen Geldbeutel aufzubessern. Anders sieht es da schon in der Klinik aus. Die Stundenpläne können individuell zusammengestellt werden und wenn man nicht zu jeder Vorlesung geht, ist ein Nebenjob durchaus zu schaffen. Ich arbeite zum Beispiel in einer Onkologischen Praxis und lerne dort viel Nützliches für den späteren Beruf, so zum Beispiel Blut abnehmen und Zugänge legen.

4….und noch eine Besonderheit

Im Gegensatz zu anderen Studiengängen in Deutschland kann man bereits während des Medizinstudiums promovieren. Der zeitliche Aufwand einer medizinischen Doktorarbeit beträgt etwa 2-4 Semester und hängt entscheidend davon ab, ob man ein Freisemester nimmt oder die Promotion parallel zum Studium durchführt.

Vorgeschrieben ist das Procedere nicht, aber es klingt schon besser, wenn nachher auf dem Kittel- oder Praxisschild Dr.med. steht.

5. Last but not least: die Arbeitsmöglichkeiten

Lohnt sich das Studium überhaupt? JA, ich kann wirklich nur ein eindeutiges JA geben!! Man kann inzwischen aus über dreißig Fachrichtungen seinen Traumberuf wählen und wer nicht in der Patientenversorgung tätig sein will kann zum Beispiel in die Forschung gehen, in Pharmakonzernen arbeiten oder in medizinischen Verlagen mitwirken.

Arbeitslose Mediziner gibt es eigentlich nicht. Alle die ich kenne, haben nach mehreren Bewerbungsschreiben sofort nach dem Studium einen Arbeitsplatz bekommen. Diese Zukunftssorgen nicht haben zu müssen sind in der heutigen Zeit viel wert.

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