Erfahrungsbericht zum Jurastudium
Erfahrungsbericht zum Jurastudium
von Stefan M., 6. Semester FU Berlin

Wie ist das Jurastudium aufgebaut?
Die Regelstudienzeit des Jurastudiums beträgt 9 Semester. Davon sind die ersten drei Semester das Grundstudium, wobei man eine gewisse Anzahl an Klausuren und „kleinen“ Hausarbeiten bestehen muss. Hier erhält man erste Einblicke in die verschiedenen Rechtsgebiete und es werden die Grundlagen gelegt.
Hat man die benötigten Scheine (bestandene Klausuren/ Hausarbeiten) erworben, wurde die Zwischenprüfung geschafft und das Hauptstudium kann beginnen. Hier muss man seine erworbenen Kenntnisse in den großen Übungen anwenden und erweitern. Außerdem werden weitere Nebenfächer behandelt. Im Hauptstudium muss man anschließend einen Schwerpunkt wählen. Das Ergebnis des Schwerpunktes geht zu 30 % ins erste Staatsexamen ein.
Dieses Staatsexamen schreibt man im 9. Semester und hier kann alles abgefragt werden, was man im Studium behandelt hat. Da dies sehr viel Stoff ist, beträgt die Vorbereitungszeit meist 1 ganzes Jahr. Hier absolviert die Mehrzahl der Studenten ein Repetitorium, bei dem der gesamte Stoff nochmals „eingeprügelt“ wird.
Hat man das erste Staatsexamen geschafft, beginnt die zweijährige Referendariatszeit. Hier durchläuft man alle wichtigen juristischen Stationen (Bsp. Staatsanwaltschaft, Gerichte, Rechtsanwaltskanzlei) und man bekommt in dieser Zeit bereits Geld.
Nach diesem Referendariat schreibt man das zweite Staatsexamen und ist mit bestehen anschließend Volljurist.
Ist Jura wirklich so trocken?
Eine der häufigsten Fragen ist, ob Jura wirklich so trocken ist. Dies kann ich überhaupt nicht bestätigen. Natürlich gibt es einige Rechtsgebiete, die wegen der Abstraktheit nicht so spannend sind und bei denen man sich schon sehr zusammenreißen muss, dass man auch hier aufmerksam ist. Aber gerade im Zivil- oder Strafrecht hat man Fälle des alltäglichen Lebens. Für mich persönlich ist dies viel interessanter als etwa den ganzen Tag mit Hilfe komplizierter Formeln Aufgaben zu lösen.
Muss man für Jura viel lernen?
Man muss für jedes Studium viel lernen, damit man es erfolgreich abschließt. Dies ist bei Jura natürlich nicht anders. Gerade in den ersten Semestern muss man auch viel auswendig lernen und immer wieder Fälle lösen und erarbeiten. Hat man aber einmal die juristische Denkweise verstanden, fällt einem dies zunehmend leichter und man muss nicht mehr ganz so viel lernen wie zum Anfang. Die Zeit vor den beiden Examen ist aber wieder sehr lernintensiv.
Brauch man ein Latinum?
Ein Latinum ist nicht notwendig. Die wichtigsten Begriffe lernt man während der Studienzeit.
Wie sind die Jobchancen?
Auf Grund der vielen Jurastudenten hat man nicht die Berufsaussichten wie etwa Ingeneure. Es kommt aber immer auf die jeweiligen Leistungen des Studenten an. Wenn man ein Prädikatsexamen erreicht (das ist das Ziel eines jeden Studenten), stehen einem auch hier viele Türen offen. Man hat es also selber in der Hand, ob man fleißig ist und gute Noten erreicht.
Was erwarten die Kanzleien von den Studenten?
Man braucht ein gutes Examen, gute Englischkenntnisse und viel Belastbarkeit. Gerade in großen Kanzleien muss man teilweise 12 bis 14 Stunden täglich arbeiten.
Was kann ich verdienen?
Als so genannter „Wald- und Wiesenanwalt“ kann man teilweise am Existenzminimum leben. In einer Großkanzlei kann man hingegen aber bis zu 100.000 € pro Jahr verdienen.



