Erfahrungsbericht zum BWL-Studium (Wirtschaftswissenschaften)

© tomas del amo - Fotolia.comNachdem ich im Sommer 2006 mein Abitur und 9 Monate später mein Zivildienst abgeschlossen hatte, ging es  danach für mich darum eine passende Universität zu finden. Ich hatte mich entschlossen ein BWL-Studium zu absolvieren und hatte auch den Wunsch in Berlin oder der Umgebung zu bleiben.

Was waren meine Beweggründe für ein BWL-Studium?

Mein ursprüngliches Ziel war es, Sportmanagement zu studieren, doch bin ich im Bewerbungsverfahren leider gescheitert.

Also hatte ich mir als Ziel gesetzt, mit einem BWL- Studium erst einmal die wirtschaftswissenschaftlichen Grundlagen zu schaffen, um dann vielleicht später mit Master-Studiengang zu meinem eigentlichen Wunschstudiengang zurückzukehren. Außerdem hatte ich mir damit auch weitere Optionen für meine berufliche Zukunft offen gehalten. Ich hatte mich in Brandenburg an den Unis in Potsdam, Wildau, Brandenburg, Cottbus und Frankfurt (Oder) beworben. Zusagen bekam ich für Potsdam, Frankfurt (Oder) die Fachhochschule Brandenburg. Schlussendlich habe ich mich für die Europa-Universität-Viadrina entschieden und mich zum Wintersemester 2007/2008 immatrikuliert. Ich wusste bis dato relativ wenig über die Uni geschweige über die Stadt. Mir war es wichtig ein BWL-Studium zu absolvieren, dass in der Nähe von Berlin war, keine hohen NC-Anforderungen hat und darüber hinaus noch studiengebührenfrei ist. Daher hatte ich mich für die Viadrina entschieden.

Wie ist das BWL-Studium gegliedert?

Das Studium ist wie überall 6 Semester lang und in Orientierungs- und Profilierungsphase aufgeteilt. Ob der Begriffsgebrauch derselbe wie bei anderen Unis ist, kann ich nicht sagen, aber man kann es mit Grund- und Hauptstudium vergleichen. Die Orientierungsphase ist 3 Semester lang und die Profilierungsphase analog. Insgesamt umfasst das Studium 31 Module. 15 Module in der Orientierungsphase und 16 Module in der Profilierungsphase. In der Orientierungsphase besteht ein Modul immer nur aus einen Fach. Da jedes Modul auf dem Weg zum Bachelor bestanden werden muss, kommt man in der Orientierungsphase nicht daran vorbei, eine Klausur bei den vorgegebenen Fächern zu absolvieren. Die Orientierungsphase soll dazu dienen, einen Überblick zu erhalten über die verschiedenen Themenbereiche der BWL. Dafür stellt sich stellvertretend jeweils ein Fach vor, das absolviert werden muss. Die Profilierungsphase (oder auch Hauptstudium) vertieft  die Kenntnisse des erlernten Stoffes der Orientierungsphase. Zu dem ist für jedes Modul eine Fächerwahl möglich. Darüber hinaus beginnt in dieser Phase meistens das Schreiben von Haus und Seminararbeiten an.  Die Bachelor-Arbeit stellt den Abschluss des Studiums dar und beeinflusst meistens die Endnote um das Mehrfache. In der Regel ist man dazu verpflichte bestimmte Scheine oder Seminararbeiten bei einem Lehrstuhl zu leisten muss, bevor man die Möglichkeit eingeräumt bekommt eine Bachelor-Arbeit zuschreiben im gewünschten Fach.

Wie hoch ist der wöchentliche Lernaufwand?

Sollte man sich für ein BWL-Studium entscheiden, so muss man sich im Klaren sein, dass ein gewisses Maß  an Mathekenntnissen sicherlich angebracht wäre. Vor allem Differentialrechnung wird  im Verlauf des Studiums immer wieder gefragt sein, da man damit in der Volks- wie auch in der Betriebswirtschaftslehre oft das Optimum (Gewinnmaximierung, Kostenminimierung) berechnen will. Aber auch andere  Themengebiete wie lineare Algebra (Gauß-Algorithmus) oder auch  Wahrscheinlichkeitsrechnung (LaPlace) spielen eine wichtige Rolle. Oft wiederholen sich die Aufgabestellungen bzw. das Schema der Aufgaben und man entwickelt  ein Gefühl dafür. Es sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass man etwas Talent und Begabung für die Mathematik besitzen sollte, oder jede Menge Fleiß aufbringen kann. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es sicherlich keine Schande ist Defizite in Mathe zu haben. Man hat trotzdem die Chance und sogar eine sehr gute Chance, das Studium durchzustehen. Man sollte versuchen regelmäßig Tutoren zu konsultieren, oder sich mit einem Freund /einer Freundin zusammensetzen, und das Besprochene zu rekapitulieren. Manchmal dauert es eine Weile eh man bestimmte Folien von Professoren versteht, aber ich kann euch wirklich versichern. Mit einer Menge Einsatz und Fleiß, sind auch die schweren und unangenehmen Fächer zu schaffen. Wichtig ist jedoch die rechtzeitige Vorbereitung um einen guten Klausurerfolg wahrscheinlicher zumachen. Das regelmäßige Vor- und Nacharbeiten von Übungs- Vorlesungsthemen wäre ideal, wird aber in seltensten Fällen von den Studenten umgesetzt. Trotzdem würde es wenig bringen, wenn man eine Woche vor Klausurbeginn anfängt für ein Fach zu lernen. Und das gilt nicht nur für die mathematischen Fächer. Denn auch in Fächern wie Rechnungswesen oder Kostenrechnung können  gemeine Fragen gestellt werden, die nur durch akribische Vorbereitung gelöst werden können. Letztlich müsst ihr selber euer Lernpensum einschätzen und erkennen, wie viel Aufwand ihr für die einzelnen Fächer benötigt.

Welche Fächer werden im Grundstudium behandelt?

Wie im oberen Abschnitt schon erwähnt, basieren viele Fächer auf den Lehren der Mathematik. Man kann machen was man will, ein BWL-Studium ohne die Mathematik ist einfach nicht möglich. Meistens werden deshalb in dem Fach Mathematik selbst alle wichtigen Grundlagen besprochen, die für das spätere Studium nützlich sind. Außerdem werden natürlich auch Grundlagen in Bereichen wie Marketing, Statistik, Wirtschaftsinformatik, Investition und Finanzierung und buchhalterischen Fächern, wie Kostenrechnung und Rechnungswesen geschaffen. Auch Fächer wie Logistik oder Produktions- und Dienstleistungsmanagement gehören zum Grundstudium. Die Bezeichnung kann von Universität zu Universität variieren. Man wird merken, dass der Lernaufwand für jedes Fach unterschiedlich ist.

Welche Fächer werden im Hauptstudium behandelt?

Wie schon erwähnt, werden im Hauptstudium die Fachrichtungen des BWL-Studiums vertieft. Gibt es im Grundstudium beispielsweise ein Marketing 1, so werden im Hauptstudium im Marketing 2 die Prozesse genauer analysiert und mit der Erarbeitung von wissenschaftliche Arbeiten (Seminararbeit, Hausarbeit)  besprochen. Man kann sich meistens aus vielen Fächern eines aussuchen, um den Schein für ein Modul zubekommen. Das ist der Vorteil gegenüber dem Grundstudium, wo einem die Fächerwahl vorgeschrieben wird. Das gibt einem auch die Möglichkeit weniger attraktive oder schwierige Fächer durch andere Fächer zu ersetzen. Allerdings wird man auch hier nicht schwierigen Aufgaben aus dem Weg gehen können, da die anderen Fächer der Modulbeschreibung ähnlich sind. Daher ist es meistens eher eine Wahl des kleineren Übels.

Wie sind die Klausuren aufgebaut?

Zu den Klausuren selbst kann ich nur sagen, dass diese in der Regel 2 Stunden dauern und 120 Punkte zu erreichen sind. Für jede Minute gibt es einen Punkt. Sollte man eine Klausur nicht bestehen, so hat man am Ende der Semesterferien eine weitere Chance in einer Wiederholungsklausur den Schein zubekommen. Diese Reglung variiert aber auch zwischen den Unis. Einige Unis bieten nur einmal im Semester einen Klausurtermin an. Daher gibt es dort keine einheitliche Reglung. Es wird vielen Lehrstühlen nachgesagt, dass die Nachklausur teilweise schwerer ist als die erste Klausur. Das ist von Lehrstuhl zu Lehrstuhl unterschiedlich. Der Vorteil zweier Prüfungstermine besteht darin, dass man sich seine Klausuren selbst einteilen kann. Ich habe mir das meistens auch immer aufgeteilt, so dass ich nicht so viel auf einmal lernen musste. Außerdem würde man relativ schnell merken, dass die Noten darunter leiden, wenn man versucht sich auf 5 Klausuren gleichzeitig vorzubereiten. Die Ergebnisse der Klausuren werden meistens im Internet veröffentlicht. Im Schnitt dauert die Korrektur der Klausuren ca. 2-3 Wochen. Es hängt natürlich auch von der Art der Klausur ab (MC etc.).

Abschließendes Wort

Ich möchte bei allen Vor- und Nachteilen, die ein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit sich bringt jedoch sagen, dass ich die Studiengangwahl nicht bereut habe und mich auch wieder so entscheiden würde. BWL-Studenten gibt es sicherlich  Tausende, allerdings gibt es auch sehr viele Bereiche, in denen man mit einem Studium der allgemeinen BWL  sehr gut einen Job finden kann. Vom Filialleiter einer Supermarkkette, über Geschäftsführer eines Restaurants, bis hin zum Personalmanager lässt das Studium alle Möglichkeiten offen. Daher habe ich mich auch nicht von der hohen Studienquote abschrecken lassen. Außerdem gilt das BWL-Studium auch gerne als Verlegenheitsstudium. Daher divergieren Anfänger- und Abschlussquoten in diesem Studiengang auch erheblich. Ich kann nur jedem zu einem BWL-Studium raten. Vor alle, wenn man sich entscheidet einen Managementstudiengang zu absolvieren, so kann ein vorgezogenes Bachelor-Studium in der BWL im späteren Verlaufe des Lebens sehr viel wert sein. Entscheidet man sich danach für einen Masterstudiengang im gewünschten Fach, so  bei einem Bewerbungsgespräch nachweisen, dass man nicht nur über spezielle, auf den Studiengang zugeschnittene Kenntnisse verfügt.

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