Qualität im Studium gibt’s nicht umsonst!
Bildungskolumne von Marcel Renz, M.A. in Geschichte und Politik
Vor 5 Jahren war die Welt an Deutschlands Hochschulen für die Erstsemester noch in Ordnung: Alle Studierwilligen, die nicht gerade vorhatten, als Dauerstudenten zu enden, konnten nahezu gebührenfrei studieren. Lediglich ein überschaubarer Verwaltungskostenbeitrag war zu entrichten. Da war über die oft recht lange Wartezeit bei zulassungsbeschränkten Studiengängen noch hinwegzusehen. Einige Bundesländer sahen aber bald die Möglichkeit, mit der Einführung von Studiengebühren ihre klammen Kassen aufzufüllen. Dazu reichten sie sogar Klage beim Bundesverfassungsgericht ein, da das Recht zur Erhebung von Studiengebühren in der Hand des Bundes lag. Mit der Entscheidung des Gerichts am 26. Januar 2005 bekamen die Länder das Recht zugestanden, künftig Studiengebühren erheben zu dürfen. Sieben Länder machten davon Gebrauch.
Besonders Baden-Württemberg brachte sich als Vorreiter nachhaltig in Erinnerung, mussten hier doch schon die Langzeitstudenten als erstes dran glauben. Interessanterweise soll es nun auch dort zu einem Wandel, das heißt zur Abkehr von der Studiengebühr kommen. Die neue Grün-rote Landesregierung verspricht in ihrem Koalitionsvertrag, dass sie die Studiengebühren abschafft. Das Deutsche Studentenwerk und vor allem der studentische Dachverband des freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (fzs) machen seit jeher massiv Publik gegen Studiengebühren und drängen die Regierung Baden-Württembergs, ihr Versprechen, die Gebühren abzuschaffen, schnellstmöglich wahr zu machen.
Dieser Sinneswandel der Politik dient für mich als Anlass, das System der Studienfinanzierung in Deutschland unter die Lupe zu nehmen und ein Fazit zur bisherigen Ära der Studiengebühren zu ziehen. Über Sinn und Unsinn wird schon lange gestritten und diskutiert. In erster Linie von CDU und FDP geführte Länder waren für die Einführung von Studiengebühren verantwortlich. Diese Kolumne soll herausarbeiten, welche Folgen, sprich Vor- und Nachteile Studiengebühren mitbringen und wie man die Gebühren rechtfertigen kann. Außerdem wirft sie ein Streiflicht auf mögliche Finanzierungsmodelle und Alternativen zu Studiengebühren. Dabei lohnt sich der Blick ins Ausland und was wir von dort lernen können.
Haben die Studiengebühren Zukunft?
Es ist fast unmöglich, sich über die Studiengebühren an deutschen Hochschulen ein klares Bild zu verschaffen. Einheitlichkeit sieht anders aus! Die Semesterbeiträge der Bundesländer variieren gar noch viel stärker. Das Beispiel Hessen führt deutlich vor Augen, dass die Studiengebühren ein Thema sind, welches stark polarisiert und viel Widerstand hervorruft. Es zeigt außerdem, dass Studiengebühren längst nicht etabliert sind. Wie in Baden-Württemberg und in Bayern gab es auch in Hessen schon vor der Einführung heftige Proteste gegen die Studiengebühren. Trotzdem wurden die Gebühren in Hessen eingeführt, um sie nur ein Jahr später mit dem Wintersemester 2008/2009 schon wieder abzuschaffen.
Inzwischen erheben nur noch Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Hamburg Studiengebühren. In Nordrhein-Westfalen schaffte der Landtag im Februar 2011 die Studiengebühren mit Wirkung zum Wintersemester 2011/12 ab. Als Ausgleich sollen die Hochschulen Landesmittel erhalten, die für die Qualitätsverbesserung der Lehre vorgesehen sind. Es kann darüber gestritten werden, ob dies nicht nur einer Verschiebung zum Steuerzahler hin gleichkommt.
In Hamburg und Bremen wurden ursprünglich Studiengebühren für Studenten erhoben, die außerhalb der Region wohnten, aber nach einer Klage zurückgezogen. 2008 führten beide Länder dann Gebühren für alle ein. In Bremen ist das Studium mittlerweile gebührenfrei und ab dem Wintersemester 2012/2013 sind in Hamburg nach Senatsbeschluss keine Gebühren mehr zu entrichten. Auch hier möchte das Land die fehlenden Einnahmen durch die Studiengebühren vollständig kompensieren. Als Standardbegründung für die Abschaffung der Studiengebühren wird von der Politik der Nachteilsausgleich von sozial und finanziell schwächeren Bewerbern genannt.
Allgemein ist der Einsatz von Studiengebühren auf dem absteigenden Ast. Viele Studierende beziehungsweise Studierwillige können aufatmen, selbst in Baden-Württemberg kommt das gebührenfreie Studium wieder. Trotz allem müssen viele Studenten immer noch genau überlegen, wie sie ihr Studium finanzieren sollen.
Finanzierungsmodelle des Studiums in Deutschland
Zunächst einmal gelten Studierende als bedürftige Gruppe, für die bestimmte Kosten gemindert werden sollen. Deshalb gibt es zwei Formen der Studienfinanzierung. Dazu gehört einmal die direkte Studienfinanzierung durch BAföG, zum anderen die indirekte Studienfinanzierung, etwa durch die Bezuschussung von Verpflegungskosten in den Mensen und Kosten für die Unterkunft in den Wohnheimen. Diese Maßnahmen ändern jedoch nichts daran, dass etwa die Hälfte der Studienkosten durch die Studierenden selbst oder ihre Eltern zu tragen sind. Denn es sammeln sich immense Lebenshaltungskosten sowie Aufwendungen für Bücher und Verwaltungsbeiträge an, die oft vernachlässigt werden. Es gibt zwar theoretisch einen Rechtsanspruch der Studierenden auf die Finanzierung durch die Eltern – aber wer will schon gegen die eigene Familie klagen?
In den Bundesländern mit Studiengebühren jobbt die Mehrheit der Studenten, um über die Runden zu kommen. Nebenjobs alleine können den Gesamtbedarf der Studienkosten aber bei weitem nicht decken. In immer mehr Fällen müssen Studierende zusätzlich zur familiären Unterstützung über passende Finanzierungsmöglichkeiten nachdenken. Die gängigen Modelle zur Studienfinanzierung sind Studienkredite und Bildungsfonds. Laut Expertenmeinung sollten Studenten in so geringem Umfang wie möglich darauf zurückgreifen und auch nur wenn es keine andere Alternative gibt. Die Besonderheit im Vergleich zu einem normalen Kredit besteht beim Studienkredit darin, dass er nicht auf einen Schlag eine große Summe vergibt, sondern monatliche Zahlungen gewährt. Seit einigen Jahren werden darüber hinaus Bildungsfonds in Deutschland immer beliebter. Besonderes Merkmal dieser Studienfinanzierungsart ist die einkommensabhängige Rückzahlung nach Studienende. Statt Zins und Tilgung wird hier ein bestimmter Prozentsatz des monatlichen Einkommens zurückgezahlt. Bildungsfonds gelten als besonders sozialverträgliche und gut kalkulierbare Studienfinanzierungslösung.
Grundsätzliches Problem ist, dass bei allen Anbietern, insbesondere den privatwirtschaftlichen, die Rückzahlung einige Zeit nach Ende des Auszahlungszeitraums anläuft. Da spielt es keine Rolle, ob der Betroffene dann doch noch oder wieder studiert, arbeitslos ist oder sehr wenig Geld hat. Eine Stundung oder Verminderung der Raten ist nur in Ausnahmefällen möglich. Konsequenz ist im schlimmsten Fall die Privatinsolvenz. Bei der Auswahl eines geeigneten Studienkredits ist deshalb größte Sorgfalt geboten, da schon scheinbar geringe Unterschiede erhebliche Auswirkungen auf den späteren Schuldenberg haben. Vor allem auf die Rückzahlmodalitäten sollten Studierende achten, da es sonst zu bösen Überraschungen kommen kann. Für eine günstige Finanzierung sollten sie auf jeden Fall die eigenen Kreditangebote der Bundesländer und das Angebot der staatlichen KfW-Bank berücksichtigen. Deren Kredit kann bis zu sieben Jahren beansprucht werden und bevor die Tilgung beginnt, entlastet den Studierenden eine bis zu zweijährige Karenzzeit. Danach kann in einer ausgedehnten Tilgungsphase verhältnismäßig sorgenfrei abbezahlt werden.
Andere Wege, um an Geld zu kommen sind eher rar und nicht unbedingt Erfolg versprechend. Da wären zum Beispiel Stipendien, in deren Genuss aber nur eine vergleichsweise kleine Gruppe ausgewählter, besonders leistungsbereiter Studenten kommt. Der Bewerbungsaufwand lohnt sich aber dennoch, denn Stipendien müssen nicht zurückbezahlt werden und können wenigstens einen Teil der studienbedingten Kosten decken.
Vor und Nachteile von Studiengebühren
Egal aus welcher Perspektive es verschiedene Beobachter betrachten, stellt sich die Frage: Können Studiengebühren in irgendeiner Weise gerecht sein? Standardargumente solcher Art, dass Studierende später mehr verdienen und mit einem Darlehen alle Chance haben, trotz Studiengebühren ein Studium aufzunehmen, verkennen die Realität. Denn Fakt ist, dass viele finanzschwache Studenten Schulden anhäufen müssen und einige Studiengänge nicht gerade einen üppigen Verdienst erwarten lassen. Eliteforscher haben zudem bewiesen, dass es gerade Studierende aus bildungsfernen und damit meist finanzschwächeren Schichten im Berufsleben vergleichsweise schwer haben. Und Studienkredite verschieben das Risiko vollständig auf den Einzelnen. Experten sprechen vom Konzept der „Bildung als Investition ins eigene Humankapital“, welches den solidarischeren Ansatz des BAföGs verdrängt.
Es gibt aber auch die andere Sicht der Dinge: Einige Experten halten es vielmehr für ungerecht, wenn viele Studierende aus wohlhabenden Elternhäusern keine Studiengebühren abführen müssen. Plakativ formuliert: Die Arzthelferin und der Krankenpfleger finanzieren über ihre Steuern das Hochschulstudium von Chefärzten. Und noch einmal ganz nüchtern: Sie bezahlen das Studium für eine bestimmte Auswahl von Jugendlichen und nicht unbedingt für ihre eigenen Kinder. Auch die Gesellschaft beziehungsweise der Steuerzahler profitiert von Studiengebühren, denn ansonsten investiert er einen hohen Betrag, ohne dass daraus automatisch ein gleich hoher Nutzen für die Gesellschaft hervorgeht. Da kann man sich wirklich fragen, was ein gebührenfreies Studium mit sozialer Gerechtigkeit zu tun hat. Die Hochschulleitungen vieler Hochschulen verweisen unisono auf die größeren Handlungsspielräume, die sie sonst in Gefahr sehen. Angesichts der finanziellen Lage des Landes sei die Abschaffung der Gebühren auch in Bezug auf die Generationengerechtigkeit verantwortungslos.
Trotz allem ist das schlagkräftigste Argument der Gegner von Studiengebühren eindeutig, dass die Studiengebühren sozial ungerecht sind. Sie bemängeln, dass lediglich der Geldbeutel der Eltern darüber entscheidend, wer es sich leisten kann, zu studieren. Gerade die starke Elternabhängigkeit ist für sie das Gegenteil eines optimalen Bildungswegs. Für Studierende selbst besteht der gravierendste Nachteil darin, dass sie immer mehr arbeiten müssen, um die Studiengebühren zu finanzieren. Das führt dazu, dass sich die Studienzeit für viele Studis verlängert. Der von Experten befürchtete Einbruch der Studentenzahlen ist jedoch ausgeblieben. In den letzten beiden Jahren war sogar ein Anstieg zu verzeichnen und zwar nicht nur in gebührenfreien Bundesländern.
Ein großer Vorteil der Studiengebühren ist, dass viele neue Lehrstellen geschaffen und das Kursangebot erweitert werden kann. Zudem steigern Studiengebühren den Wettbewerb zwischen den Hochschulen, denn die teureren Hochschulen müssen ihr Lehrangebot äußerst attraktiv, vielseitig und innovativ gestalten, um genügend Studenten zu überzeugen. Bei der ganzen Diskussion darf man nicht vergessen, dass auch viele Ausbildungen nicht gebührenfrei sind. Eine immer beliebtere Alternative besteht darin, eine betriebliche Ausbildung oder ein duales Studium zu absolvieren, da schon während der Ausbildung ein Verdienst herausspringt. Diese Ausbildungen haben den großen Vorteil von größerer Praxisnähe. Fakt ist und bleibt aber, dass Deutschland in Bildung investieren muss und mehr qualifizierte Hochschulabsolventen braucht, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.
Unverständnis drängt sich in einigen Fällen beim Einsatzzweck von Studiengebühren auf. Im Dezember 2010 wurde ein Brief des bayerischen Wissenschaftsministers öffentlich, der aufdeckte, dass einige Hochschulen das viele Geld durch die Studiengebühren bisher nicht ausgegeben haben. Der Minister forderte die Hochschulen unverzüglich auf, das Geld schnell auszugeben. Das wichtigste ist sowieso, die Studiengebühren sinnvoll einzusetzen und nicht den Großteil in die Verwaltung zu stecken. Deshalb ist die Mitentscheidung der Studenten bei der Verwendung von Studiengebühren unbedingt nötig. Der Vorteil ist, dass sie somit mehr Einfluss auf die Hochschul-Angelegenheiten nehmen und sich stärker in Gremien oder im Studentenausschuss engagieren.
Und es gibt tatsächlich positive Investitionsmeldungen: Ein Beispiel ist die bessere Ausstattung von Bibliotheken mit wichtigen Büchern und Leselampen. Um die volleren Bücherregale allen Studierenden schmackhaft zu machen, verbesserten einige Bibliotheken die Arbeitsbedingungen und dehnten die Öffnungszeiten deutlich aus. Um die Gebühren sinnvoll einzusetzen, richtete die Fakultät für Physik und Astronomieeinen der Uni Heidelberg einen Innovations-Fonds ein, der mit jährlich 150 000 Euro ausgestattet ist. Über Anträge von Dozenten, wohin Mittel aus diesem Fonds fließen sollen, entscheidet die Studiengebührenkommission. In der Kommission haben die Hochschüler die Stimmenmehrheit, womit eine Verwendung der Gebühren im Interesse der Studierenden gesichert ist. Viele Hochschulen haben zudem einen Career Service eingerichtet, der die Studierenden auf das Berufsleben vorbereitet, Workshops für Bewerbungsschreiben anbietet und einen Newsletter mit wichtigen Informationen sowie Stellenangeboten herausgibt.
Studiengebühren im Ausland
Die Studienkosten in den USA sind aus deutscher Sicht immens. An einer privaten Uni betragen die Gebühren meist mehr als 27.000 Dollar im Jahr. Anders als bei vielen Elite-Unis gilt in Stanford seit 2008 allerdings eine neue Sozialklausel: Dort müssen Studenten keine Studiengebühren mehr bezahlen, wenn das Familieneinkommen unter 100.000 Dollar liegt. Damit kann rund ein Drittel aller Bachelor-Studenten ohne Gebühren an einer der nobelsten Unis des Landes studieren. Andere Spitzen-Hochschulen helfen mit Stipendien für besonders begabte Bewerber aus armen Elternhäusern.
Ein sehr positives Beispiel in Sachen Studiengebühren ist England, denn trotz der Gebühren stieg die Zahl der Studenten in den letzten Jahren insgesamt, aber auch aus sozial schwächeren Schichten sogar leicht an. Dies führten die Experten zum einen auf das Office of Fair Access zurück, welches die Auflagen für die Universitäten zur Erhebung von Studiengebühren bestimmt. Hochschulen müssen genügend Stipendien vergeben und darlegen, wie sie das Geld investieren. Zum anderen wird die finanzielle Unterstützung zentral geregelt. Britische Studenten bekommen zwar keine Zuschüsse mehr, sondern nur noch Darlehen. Der Kreis der Geförderten ist daher erheblich größer geworden. Und wer nach dem Abschluss einen bestimmten jährlichen Verdienst überschreitet, muss davon neun Prozent abführen, bis alles abbezahlt ist. Im Grunde eine Steuer auf Akademiker.
Aber mit der Ruhe war es spätestens letztes Jahr vorbei. Aufgebrachte Demonstranten stürmten Ende 2010 die Parteizentrale der regierenden Konservativen in London. Die Demonstranten brachten ihre Wut darüber zum Ausdruck, dass die Regierung die Studiengebühren pro Studienjahr fast verdreifachen will. Derzeit zahlen Studenten in Großbritannien jährlich etwa 3870 Euro.
Großbritanniens Wirtschafts- und Forschungsminister griff zuvor nochmals die einkommensabhängige Sondersteuer auf. Die Einnahmen hieraus sollen den finanziell angeschlagenen Universitäten zugute kommen und die bisherige Studiengebühren ersetzen. Eine Vision der neuen Studienfinanzierung sieht deshalb eine Akademikersteuer vor, die vom tatsächlichen Gehalt der Absolventen abhängt. Genau das kritisieren die Gegner der Akademikersteuer, die in der Sonderlast eine versteckte Erhöhung der Einkommenssteuer sehen. Betroffene würden in Folge der Steuer im Laufe ihres Lebens weit mehr Abgaben zahlen als ihr Studium je gekostet haben. Auch Universitätsrektoren äußern Zweifel. Sie sehen die Gefahr, dass ausländische Studenten künftig an die britischen Unis strömen um kostenlos zu studieren, dann aber wieder in ihre Heimatländer zurückkehren und keine Steuern in Großbritannien zahlen. Gleichsam fürchten sie, dass britische Akademiker nach dem Studium ins Ausland gehen, um der Steuer im Heimatland zu entkommen.
Alternativen zu den Studiengebühren
Um das Thema Studiengebühren richtig abzurunden, abschließend noch einige Gedanken zu möglichen Alternativen für dieses Finanzierungsinstrument. Die Gegenentwürfe sind leider rar gesät. Eine Option wäre der Ausbau des BAföGs, womit in näherer Zukunft aber nicht zu rechnen ist. Eine andere alternative Finanzierungsquelle, die in letzter Zeit immer öfter diskutiert wird, liegt im Technologietransfer von Hochschulen. Vor acht Jahren stieg die Universität Erlangen-Nürnberg als Minderheitsgesellschafter beim Start-up-Unternehmen Inchron ein und brachte ihre Patente als Kapital ein. Doch Einnahmen aus ihrer Beteiligung verbucht die Universität auch nach mehreren Jahren noch nicht. Dennoch hat sich die Hochschule an zwei weiteren Unternehmen beteiligt.
Es gibt nämlich durchaus Vorteile, wenn Hochschulen zu Miteigentümern junger Unternehmen werden: Da wären einmal Einblick und Mitsprache über den Punkt der Markteinführung hinaus. Den Input von eigenen Fähigkeiten und Erweiterung des universitären Know-hows. Die Gewinnung von Dozenten aus der Privatwirtschaft. Mit einer Tochtergesellschaft wie der Humboldt-Innovation können Universitäten sogar manche Fessel einer öffentlich-rechtlichen Institution abstreifen. So taucht die Tochter im Haushalt der HU gar nicht auf. Das Risiko liegt darin, dass bei einer Pleite des Unternehmens auch die von der Hochschule eingebrachten Patentrechte an den Insolvenzverwalter fallen.
In Deutschland wird bisher eher auf traditionelle Hilfen wie Beratungsbüros, Gründerzentren, Lizenzverträge für Patente, Auftragsforschung oder gemeinsame wissenschaftliche Institute mit Unternehmen gesetzt. Auf Geld müssen die Hochschulen dabei nicht unbedingt verzichten. Im Gegenteil: Lizenzgebühren fließen weitaus schneller als Gewinne aus Beteiligungen.
Ausblick
Die bisherigen Zeilen dürften noch einmal verdeutlicht haben, dass die Einführung von Studiengebühren zu den heikelsten politischen Vorgängen in unserer Republik gehörten. Grundsätzlich stimme ich allen Kritikern zu, dass der Staat allen Schulabgängern die Chance bieten sollte, die Aufnahme eines Studiums in Betracht zu ziehen. Dabei spielt natürlich auch die finanzielle Unterstützung eine beträchtliche Rolle. Die Frage ist nur, inwieweit diese gehen kann und muss. Zweifellos muss das Interesse des Staates groß sein, dass alle Jugendlichen eine gute und wunschgemäße Ausbildung erhalten. Aber wälzen der Staat beziehungsweise die Länder mit den Studiengebühren wirklich die bildungspolitische Verantwortung ab und verletzen ein Menschenrecht?
Dies halte ich für übertrieben, zumal es Ausweichmöglichkeiten gibt und jeder Studierende freie Universitätswahl hat. Ostdeutsche Hochschulen sind etwa allesamt gebührenfrei und ihr großer Vorteil besteht in kleinen, modernen Unis, die eine sehr gute individuelle Betreuung bieten. Eine ganz andere Entlastungsmöglichkeit ließ sich die Universität in Freiburg einfallen. Dort konnten bis zum Wintersemester 2007/2008 auf Antrag jene „Studenten mit einer weit überdurchschnittlichen Begabung“ von den Studiengebühren befreit werden. Dies halte ich wiederum für sehr ungerecht, da alle anderen Studierenden bei solch einer Regelung außen vor sind. Deshalb lies man die Regelung vermutlich auch wieder fallen.
Die Studierendenanzahl in Deutschland sollte gesteigert werden, da unser Land hauptsächlich gut ausgebildete Akademiker benötigt. Wenn wir nicht von aufstrebenden Ländern und der neuen Weltmacht China gnadenlos überholt werden wollen, ist dies zwingend nötig. Kurz gesagt heißt das nichts anderes, als die Attraktivität des Studiums so groß wie möglich zu halten. Dies bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass es kostenlos sein muss. Im Endeffekt ist doch das entscheidende Kriterium, dass die Qualität stimmen muss. Wenn wir England oder die USA betrachten wird klar, dass wir in Deutschland noch sehr froh seien können und das Studieren vergleichsweise günstig studieren können. Studierende und ihre Eltern müssen auch bereit sein, etwas für ein hochwertiges Studium zu investieren. “Hochwertig“ – das ist der Schlüssel, von dem alles abhängt. Für eine gute Qualität bezahlt man auch etwas mehr.
Um Schulabgängern aus sehr einkommensschwachen Familien die Chancen für ein Studium einräumen zu können, müssen die Finanzierungsmodelle angepasst werden. Studierende brauchen eine größere Sicherheit, das heißt sie sollten keine Insolvenz befürchten müssen. Es braucht Auffangnetze für den Extremfall. Dazu ist die Solidargemeinschaft da, denn von guten Studiermöglichkeiten und einem hohen Bildungsniveau profitieren wir alle. In diesem Zusammenhang finde ich die Überlegung einer Akademikersteuer sehr sinnvoll. Je nachdem, wieviel die Absolventen später einmal verdienen, sollen sie sich an der Finanzierung der Universitäten beteiligen. Schließlich haben sie selbst vom Studium profitiert!
Eines darf allerdings nicht passieren: Die Studiengebühren dürfen nicht in irgendwelchen schwarzen Löchern verschwinden oder von Verwaltungsapparaten aufgefressen werden. Studierende müssen genau wissen und spüren, wo ihr Geld hinfließt und dass es für sie gewinnbringend eingesetzt wird.
Letztendlich ist es zwar sehr schön, dass es in den meisten Bundesländern keine Studiengebühren gibt oder bald nicht mehr gibt, aber es müssen auch die Konsequenzen berücksichtigt werden. Wenn es die Hochschulen schaffen, auch ohne die Gebühren gute Studiengänge anzubieten, ist dies natürlich nur zu begrüßen. Allerdings sollten wir alle auch den Schuldenstand unseres Landes nicht vergessen und uns den Möglichkeiten, ein Studium durch Gebühren zu finanzieren, nicht von vorne herein verschließen.
Hier findet ihr weitere Informationen zu diesem Thema: Studiengebühren


