Trotz mäßigen Abi zum Medizinstudium
Der Traum Arzt zu werden erfüllt sich nur für wenige. Wer momentan einen Studienplatz in Medizin bekommen will, braucht beim Abiturzeugnis eine Eins vorm Komma. Ansonsten muss man mit einer Wartezeit von bis zu sechs Jahre rechnen.
Derzeit ist das Vergabesystem so: Ein Fünftel der Studienplätze wird über die Abiturnote vergeben, der Numerus Clausus lag im vergangenen Jahr zwischen 1,0 und 1,1. Weitere 20 Prozent werden über die Wartezeit vergeben. Diese lag im letzten Jahr bei zwölf Semestern. Schließlich werden weitere 60 Prozent der Studienplätze über die Hochschulen selbst vergeben.
An den Universitäten, variieren die Vergabesysteme. Neben der Abiturnote gibt es hier zum Teil Bonuspunkte für eine abgeschlossene Berufsausbildung oder für ein gutes Ergebnis im Medizinertest TMS. Im Einzelfall mag da auch noch einmal ein Abiturzeugnis mit 1,9 zum gewünschten Studienplatz führen. Mit einer Zwei vor dem Komma hat man in der Regel jedoch keine Chance mehr.
Hier drei Alternativen für Abiturienten, die dennoch unbedingt Arzt werden möchten:
Studium an der privaten Uni Witten/ Herdecke
Zunächst hat man die Möglichkeit, an der privaten Universität in Witten/Herdecke zu studieren. Die Hochschule ist die einzige, deren Medizinstudienplätze nicht über die Stiftung für Hochschulzulassung vergeben werden. 42 Studienplätze werden dort pro Jahr vergeben. Im letzten Jahr bewarben sich 950 Abiturienten. Die Chancen sind also relativ klein. Dafür hat man aber mit einem durchschnittlichen Abitur eine Chance. Wichtiger als die Schulnoten sind der Auswahlkommission die Motivation und Eignung der Bewerber. Die Ausbildung an der Privatuni ist jedoch teuer. Das Studium kostet rund 41.000 Euro.
Studium bei der Bundeswehr
Eine weitere Möglichkeit ist bei der Bundeswehr zu studieren. Die hatte im vergangenen Jahr rund 250 Studienplätze zur Verfügung und rund 1300 Bewerbungen. Genommen wurde also immerhin jeder Fünfte. Ein Studium bei der Bundeswehr unterscheidet sich jedoch in vielerlei Hinsicht von einem regulären Studium. Wer sich dafür entscheidet, absolviert vor und nach dem Studium die militärische Ausbildung zum Offizier. Vor Aufnahme des Studiums verpflichtet man sich zudem, mindestens 17 Jahre für die Bundeswehr zu arbeiten. Nach dem Studium sind Auslandseinsätze zu erwarten. Dafür wird man vom ersten Monat an bezahlt. Doch auch beim Auswahlverfahren für die Sanitätsoffizieranwärter spielt der Abischnitt eine besondere Rolle. Bei besonders gutem Abschneiden in den übrigen Testverfahren kann im Einzelfall eine Zulassung auch noch mit einem Abiturschnitt von 2,7 erlangt werden.
Auslandsstudium
Als drittes lässt sich versuchen, einen Studienplatz im Ausland zu bekommen. Sehr populär ist etwa die Semmelweis-Universität in Budapest. Dort kann in deutscher Sprache Medizin studiert werden. Der Abschluss sowie die Scheine werden problemlos in Deutschland anerkannt. 70.000 Euro Studiengebühren kostet das komplette Medizinstudium in Ungarn. Auch in Budapest ist es inzwischen jedoch schwierig, einen Studienplatz zu bekommen. Die Chancen genommen zu werden, stehen ähnlich wie bei der Bundeswehr, bei eins zu sechs.
Wer in Budapest oder anderswo im Ausland studieren möchte, sollte sich das jedoch gut überlegen. In einem ersten Schritt sollte man schauen, ob man das überhaupt finanzieren kann. Ist das der Fall, sollte man unbedingt darauf achten, dass die erworbenen Abschlüsse in Deutschland anerkannt werden.
