Deutlicher Bewerberrückgang an den Britischen Unis
Ende 2010 beschloss die liberal-konservative Koalitionsregierung in Westminster, die zulässige Höchstgrenze für Studiengebühren von bis dahin 3000 auf 9000 Pfund anzuheben. Fast alle Unis haben ihre Gebühren nun auf den Höchstsatz angehoben. Die Bilanz der ersten Bewerbungsrunde, seit Studiengebühren In England und Wales kräftig angezogen wurden: Die Zahl der Bewerber geht gewaltig zurück.
Die britische Regierung verdreifachte die Studiengebühren. Künftig müssen Studierende bis zu 9000 Pfund im Jahr zahlen, umgerechnet sind das bis zu 10.700 Euro. Daraus folgt nun, dass das Interesse für ein Studium bei den jungen Briten erheblich nachlässt. Für das Studienjahr 2012, das im September beginnt sank die Zahl der Bewerber bereits um 8,7 Prozent. 540 000 Studieninteressierende haben sich insgesamt beworben. Im Vorjahr lag die Bewerberzahl noch bei 583 000. Das gab jetzt die zentrale Bewerbungsstelle für die Hochschulen in Großbritannien (Ucas) bekannt, die die Vergabe beinahe aller Anfängerstudienplätze organisiert. Wenig besser sieht es aus, wenn man die Anmeldungen ausländischer Studenten mitzählt: Hier konstatiert Ucas ein Minus von 7,4 Prozent.
Der Rückgang fiel insgesamt bei Männern etwas höher aus als bei den Frauen. Entgegen der Meinungen von Kritikern wurden Bewerber aus einkommensschwächeren Familien weniger abgeschreckt als erwartet. Die Zahl der Studieninteressierten aus dem ärmsten Fünftel der britischen Bevölkerung sank nur um 0,2 Prozent, während die aus dem reichsten Fünftel um 2,5 Prozent abnahm. Am meisten betroffen vom Rückgang sind Studienbewerber aus der Mittelschicht.
In der Mitteilung der Vergabestelle heißt es, offensichtlich würde die finanzielle Unterstützung für ärmere Studierende auch nach der Erhöhung der Studiengebühren ausreichen. Die Direktorin der Interessenvertretung der führenden britischen Universitäten (Russell-Group) hingegen, führte den Rückgang weniger auf die Gebühren, sondern vielmehr auf die demografische Entwicklung zurück. In diesem Jahr würden weniger Schulabgänger in Großbritannien erwartet als 2011, insofern sei der Rückgang „wenig überraschend“. Laut einer offiziellen Statistik gibt es 2012 aber nur 11.000 Achtzehnjährige weniger.
Eine eindeutige Tendenz zeigt sich bei der Fächerwahl. Besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften sind die Bewerbungen bemerkbar gesunken. So liegt der Bewerberrückgang in Sozialwissenschaften bei zwölf Prozent, in den Sprachwissenschaften sogar bei zwanzig Prozent. Die Nachfrage für Ingenieurwissenschaften bleibt dagegen fast konstant, bei der Medizin gab es sogar eine minimale Steigerung im Vergleich zum Vorjahr.
Die hohen englischen Studiengebühren haben allerdings durchaus auch positive Wirkung, und zwar nördlich der englisch-schottischen Grenze. Dort ist die Zahl der Bewerber aus dem EU-Ausland um sechs Prozent gestiegen. Grund dafür ist das schottische Gesetz, das es EU-Ausländern erlaubt, ebenso wie Schotten gebührenfrei in Schottland zu studieren. Engländer hingegen müssen auch hier Studiengebühren zahlen, wenn auch niedrigere als daheim.


